Anregungen zur Jahreslosung - Teil 4

 

Der Weg unserer Identitätsfindung als Männer soll solidarisch sein. Dies bedeutet, dass wir nicht nur die gleichen Ideale haben, sondern diese auch in gemeinsamer Unterstützung leben und danach streben. Das letztere fällt uns Männern nicht so leicht, vor allem, wenn wir selbst Unterstützung brauchen. So müssen wir uns fragen: sind wir fähig, uns helfen zu lassen?

Diesbezüglich haben wir als Gesellschaft erreicht, dass wir uns solidarisch verhalten z. B. behinderten Menschen gegenüber, dass für diese Parkplätze gekennzeichnet sind und freigehalten werden müssen. Es ist nicht mehr der einzelnen Person überlassen, ob sie den Behinderten den Vortritt gibt, sondern es ist vorgeschrieben. Ebenso im Falle der Not eines Menschen z. B. bei einem Unfall. Auch hier muss geholfen werden und es ist strafbar, wenn es unterlassen wird.

Wie sieht das auf geistiger Ebene aus? Wie stehen wir der Treue zu unseren Idealen gegenüber? Dienen sie uns zur Bereicherung unserer geistigen Erbauung, wenn wir diese suchen und pflegen? Oder sind sie uns wirklich heilig, also von Gott gefordert, dass wir sie entsprechend unserer Berufung leben?

Hier nähern wir uns wieder der Welt unserer Sendung und leben darin auch die Solidarität. Diese wollen wir aber speziell ausprägen auf dem Weg zu unserer Identität mit dem neuen Mann. Dies ist verbunden mit unserer Idealwelt, aber auch verankert mit konkreten Menschen und unserer konkreten sozialen Umgebung: der Familie, dem Beruf und dem Apostolat. Darin liegt viel Spannung an Zeit, Engagement und Verantwortung. So müssen wir uns durch unsere Losungen immer wieder anfragen lassen, ob wir diese Spannung im richtigen Verhältnis gestalten, und auch, ob wir in den Eckpunkten unserer Spannung, in Personen, Verhältnissen und Tätigkeiten nicht Korrekturen vornehmen müssen.

Es ist eine Herausforderung, sich auf den Weg der Identitätsfindung als Mann zu begeben. Es entspricht auch nicht der Vorstellung unserer Zeit, wo es doch nicht mehr gewünscht ist, dass wir Mann sein sollen. Aber diese Identitätsfindung hat etwas zu tun mit unserer Idealwelt, wo wir den Wunsch Gottes im Geschöpfsein und in der Schöpfung zu verwirklichen suchen; wo wir es ernst nehmen, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. So haben wir heute die Aufgabe, den Mann in seiner Identität wieder aufzurichten, den getrennt lebenden Männern Aufmerksamkeit zu schenken und sie auch anzusprechen.

In unseren Kindergärten und Grundschulen und immer mehr auch zu Hause werden unsere Kinder fast ausschließlich von Frauen erzogen und unterrichtet. Sie bekommen oft nicht genügend Aufmerksamkeit und haben es überwiegend mit Handlungen und Lehrbeispielen zu tun, die auf Mädchen abgestimmt sind. Das hat bereits Auswirkungen auf die Jungen. Sie verhalten sich desinteressiert und distanzieren sich vom Erziehungs- und Lernhintergrund. Die Folge ist, abnormales soziales Verhalten und schlechte schulische Leistungen. Das ist für uns ein Warnsignal und untermauert unsere Bemühung um die Identitätsfindung des neuen Mannes.

Welche Möglichkeiten haben wir, den neuen Mann in seiner Identität zu leben und zu künden? Abgesehen von unserer eigenen Identitätsfindung müssen wir auf den Mann zugehen, ihn auf die wichtige Aufgabe hinweisen, dem Mann bzw. neuen Mann in unserer Gesellschaft wieder seinen Platz zuweisen. Der neue Mann ist der von Gott geschaffene und dadurch neue Mann. Gott macht keine Kopien, er schafft immer neu und dadurch wirkt er in unsere Geschehen ein. Er ist nicht der Abwesende, der sich für seine Schöpfung nicht mehr interessiert. In jedem Geschöpf tritt er neu auf den Plan, will der Schöpfung und den Menschen als Ebenbilder Gottes damit etwas sagen. Diese Sprache Gottes zu verstehen ist eine unserer großen Aufgaben.

Damit stehen wir wieder mitten in unserer Geisteswelt, hier begegnen wir unserem Vorsehungsglauben und stellen fest, dass wir lediglich durch eine andere geistige Tür in unsere Geisteswelt getreten sind. Diese verschiedenen Türen können auch Menschen sein, die wir geistig dort abholen, wo sie stehen, um sie dann in unsere Geisteswelt hineinzuführen. In Solidarität zu ihnen bemühen wir uns, ihre Sprache zu finden, sie in ihrer Welt und in ihren Schwierigkeiten zu verstehen und ihnen letztlich den Weg zu bereiten in unsere Geisteswelt hin zum Vater. All die Widerstände, die uns vorgehalten werden und die tatsächlich vorhanden sind, sehen wir im Liebesbündnis gelöst, nicht sogleich, aber im Prinzip und im Herzen der Männer. Das schenkt Beheimatung und Vertrauen.

In dieser Solidarität der Identitätsfindung als Mann stehen wir den Männern zuerst als Mann gegenüber und weniger als Schönstätter und können so die Männer leichter ansprechen bzw. ihnen begegnen. Insofern ist diese Solidarität eine wichtige apostolische Eigenschaft in unserem Männerapostolat vor allem mit Blick auf die Suche nach neuen Männern.

Ernest M. Kanzler