Anregungen zur Weihe und Weiheerneuerung
Liebe Männer,
was
ist bei einem Ei eigentlich wichtiger: die Schale oder das Innere? Natürlich das
Eiweiß und das Eigelb. Aber was wird daraus, wenn die Schale fehlt? Die Schale
spielt also eine wichtige Rolle für das wertvolle Innere des Eies. Und genau
darum geht es bei der Stellung von Maria zu Jesus. Jesus brauchte das
menschliche Kleid, um auf dieser Welt leben zu können. Dieses menschliche Kleid
hat ihm Maria gegeben. Und der himmlische Vater hat für seine Menschwerdung in
Jesus natürlich die beste Mutter ausgesucht, die es gibt: Maria. Von daher wird
unsere Beziehung zu ihr, der vom himmlischen Vater Auserwählten, verständlich.
Bereits im 4. Jahrhundert beginnt sich die Verehrung Marias zu entfalten. Das alte bekannte Gebet “Unter Deinen Schutz und Schirm...” ist ein Beispiel hierfür. Marienheiligtümer werden errichtet. Auch die Weihe an Maria beginnt in dieser Zeit. Vor allem im 7. Jahrhundert tauchen in den verschiedensten Teilen der Kirche solche Weihegebete auf, teilweise bezeichnet sich der Weihekandidat als “Sklave Mariens”. Die Weihe an Maria ist also nicht etwas völlig Neues, ausschließlich auf Schönstatt Zurückzuführendes, sondern Pater Kentenich konnte auf den in der Kirche bereits vorhandenen Schatz zurückgreifen. Grundlage von allem ist stets die Aussage: Gott ist Liebe. Und aus Liebe zu uns Menschen schenkt er uns seine Mutter als Helferin für unseren irdischen Weg.
Weihe heißt im Lateinischen Consecratio, erinnert also an die Weihehandlung des Priesters in der heiligen Messe. Konsekration, also Weihe, bedeutet, dass etwas aus dem gewöhnlichen Gebrauch herausgenommen und in das Eigentum Gottes zum ausschließlichen Gebrauch gegeben wird. Mit der Weihe an Maria erkennt man diese also als seine geistliche Mutter an mit all ihren Mutterrechten und auch ihren Mutterpflichten. Man schenkt sich ihr, vertraut sich freiwillig ihrer himmlischen Schutzherrschaft an, man begibt sich in ihren Dienst, wird gleichsam ihr Eigentum.
Mit einer solchen Übereignung verzichtet man allerdings zugleich auf den eigenmächtigen Besitz seiner selbst, also darauf, seinen eigenen Willen, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen, sondern vertraut ganz der Führung durch die Gottesmutter. Es handelt sich bei der Weihe, wie P. Kentenich immer wieder betont hat, um ein gegenseitiges Geschehen, um ein göttliches Tun einerseits und um menschliches Tun andrerseits.
Grundlage für einen solchen Akt ist ein gegenseitiges Vertrauen. Wir stellen uns in den Dienst Mariens im Sinne einer marianisch geprägten Christusnachfolge. Sie erwartet ein entsprechendes Verhalten von uns, wir erwarten von ihr ihren besonderen Schutz und ihre Fürbittmacht. Die Weihe an Maria ist nicht etwas, was neben oder an Christus vorbeiläuft, sondern sie ist eine Hingabe an den Dreifaltigen Gott durch Maria.
Bedenken wir noch einmal die Situation Marias. Der himmlische Vater hatte soviel Vertrauen zu ihr, dass er sie ausgewählt hat, um durch sie in Jesus Mensch zu werden. Dieses Vertrauen zu ihr schloss auch die sehr schwere Zeit des Leidens und Sterbens ihres Sohnes ein. Der himmlische Vater vertraute darauf, dass sie in Jesus nicht “nur” ihren Sohn sehen würde, sondern vorrangig den Erlöser, dass sie diesen nicht auf seinem Leidensweg im Stich lassen würde, sondern dessen Leiden als das Leiden des Erlösers mittragen würde. Diese Aufgabe hat sie durch ihr Leben voll und ganz erfüllt.
Deshalb ist ihr Handeln Vorbild für uns, und deshalb können wir uns ihr ganz anvertrauen und deshalb auch erwarten wir, dass wir durch ihre Fürbitte das Leben bei Gott erlangen. Sie hat dem Sohn Gottes das irdische Leben geschenkt, als unsere geistliche Mutter erwarten wir ihre Hilfe bei unserem Übergang von unserem irdischen Leben in das himmlische Leben. Schließlich trägt das Bild der Gottesmutter im Urheiligtum und in allen anderen Heiligtümern die Inschrift: Servus Mariae nunquam peribit = Ein Diener Mariens wird niemals verloren gehen. Und darauf vertrauen wir. Und aus diesem Vertrauen heraus können wir dann beten:
Was ich bin und was ich habe
schenk ich dir als Liebesgabe.
(Auszug aus der Morgenweihe, Himmelwärts S. 16)
Liebe Männer,
ich möchte anregen, über die Bedeutung der Weihe und über die Sicherheit, die
uns die Gottesmutter damit bei unserem Heimgang verspricht, nachzudenken. Durch
eine Weihe werden wir “echte” Schönstätter, gliedern wir uns ein in den
Gründungsakt unserer Schönstattfamilie von 1914 und zugleich auch in den
Mitgründungsakt unseres Diözesanheiligtums im Jahre 1962. Aus diesem Eintauchen
in das damalige Geschehen erwächst uns neue Kraft, übernehmen wir das Anliegen
von Pater Kentenich und gründen gleichsam Schönstatt neu, wie Pater Kentenich es
von jeder Generation erwartet.
Wir wollen uns in deinem Bilde spiegeln
und unser Liebesbündnis neu besiegeln.
mach uns, dein Werkzeug, dir in allem gleich,
bau überall durch uns dein Schönstattreich.
Warum also sollten wir uns scheuen, uns der Gottesmutter zu weihen oder unsere Weihe zu erneuern? Sie hilft und stärkt uns dadurch auf unserem Lebensweg. Könnten die nächsten Exerzitien nicht ein Anlass dafür sein? Gerade auch die Vorbereitung auf das 50-jährige Bestehen unseres Diözesanheiligtums im Jahre 2012 ist ein ganz wichtiger Grund dafür. Und durch eine Erneuerung der Weihe werden wir in besonderer Weise wieder in das Gründungsgeschehen einbezogen und vertiefen unser Verhältnis zur Gottesmutter.
Unsere Exerzitien finden vom 23. - 27. März 2011 in Würzburg statt.
Über unser Mitgründerheiligtum auf der Marienhöhe grüßt Sie herzlich
Ihr Manfred Robertz