Deutung des Jahreslosungssymbols der Schönstatt-Männerliga 2004/2005

Die Deutung dieser Darstellung unserer Jahreslosung setzt unseren Glauben an das theistische Gottesbild voraus. Gott hat die Welt erschaffen, er lenkt und gestaltet dauernd diese Welt durch freiwirkende Zweitursachen. Das wird konkret erfahrbar in der Kirche und in Schönstatt. Wir spüren das durch die Wirksamkeit des jetzigen Papstes ganz deutlich, wie Gott durch ihn schöpferisch tätig ist. Für Gott ist der gegenwärtige Umbruch der Zeit ein schöpferischer Akt und wir Männer, wir Schönstattmänner sind eingeladen mitzuwirken und mitzugestalten. Im Umbruch der Zeit deutet sich ein Wechsel an. Vom Vergangenen in das Zukünftige. Dieser Vorgang, der sich in der Welt und unserer Kirche abspielt, berührt auch uns persönlich. Wir sind mitten hineingestellt in diesen Umbruch.        

 

Textfeld:  Die Umbruchsituation ist in halbdunkler und halbheller Farbe in der Weltkugel dargestellt.

 

 

Gott als Schöpfer, als Erstursache und Erhalter dieser Welt, steht sichtbar über dem Erdkreis und dem ganzen Universum im Vatersymbol. In der Weltkugel steht für uns Schönstattmänner das Urheiligtum und darin eingebettet unser Taborheiligtum, in dem wir im Gott-Vater-Jahr 1999 das Vatersymbol angebracht haben. Vom oberen Vatersymbol sehen wir einen roten Blitz oder Strom ausgehend, der durch das kleinere Symbol und durch die stehende Mannesgestalt mitten durch fließt oder strömt bis auf den roten Grund unseres Liebesbündnisses.  

In der Mannesgestalt können wir unseren Erlöser Jesus Christus sehen, der ganz auf den Vater ausgerichtet ist und in unserem Heiligtum mit Maria im Liebesbündnis in seinem Taborglanz erfahren werden kann. Christus brachte uns die Botschaft des Vaters, er war das Werkzeug der Liebe Gottes.

In der Mannesgestalt können/dürfen wir aber auch unseren Gründer Pater Kentenich sehen, der, ganz auf Gott ausgerichtet, uns die Botschaft Schönstatts kündete und vorlebte in diesem Umbruch der Zeit. Pater Kentenich erlebte diesen Zeitumbruch in der Welt und Kirche. Wie oft sprach er von der Kirche am alten Ufer, die wie ein Fels zu erleben war, und von der Kirche am neuen Ufer. Von einer nachkonziliaren Kirche, die wie ein Schiff unterwegs ist zum Neuen Ufer. Im Konzentrationslager Dachau stand er fest im Liebesbündnis und konnte diktieren: „Ich glaube fest, dass nie zugrunde geht, wer treu zu seinem Liebesbündnis steht“ (Himmelwärts, Seite 139).

Das kleinere Vatersymbol deutet unseren Gründer Pater Kentenich an, durch den sich durch Blitz und Gnadenstrom Gottes Liebe erfahren ließ und der uns das Liebesbündnis kündete. Viele Menschen erlebten Pater Kentenich als Werkzeug der Liebe Gottes.

In dieser Mannesgestalt dürfen wir auch uns selber sehen. Die meisten von uns sind aufgewachsen in der noch wie auf einem Felsen stehenden Kirche, wo alles seine feste Ordnung hatte vom Pfarrer zum Bischof und zum Papst. Auch in einer Welt, wo sich abgesehen vom Krieg und seinen Folgen wenig veränderte, im Vergleich zur heutigen Zeit im Umbruch, des In-Frage-Stellens aller Werte, wo sich so vieles sprunghaft ändert und die Sicherheiten sich mehr und mehr in Unsicherheiten aufzulösen scheinen. Der Euro, Arbeitslosigkeit, die Zukunft der Rente, Altersversorgung etc. Das Erleben des Umbruchs der Kirche: die weiten Hallen werden leerer, die Priester weniger, die Laien werden mehr gebraucht, die Finanzen knapper, am Sonntag nach dem Weißen Sonntag sind nur noch vereinzelte Kommunionkinder in der hl. Messe. In den Familien ist oft wenig von erlebter Bindung an Kirche und Gott erfahrbar und manchmal noch nicht einmal im Religionsunterricht. Das bedrückt unsere Männer und sie klagen und jammern, oft resignieren sie.

Der dargestellte Mann schaut nach oben, richtet sich nach Gott aus, ist geöffnet und der Blitz geht bei ihm durch den Kopf, das Herz und auch mitten durch seine ausgestreckten Arme. Die ausgestreckten Arme greifen nicht ins Leere, sondern nach dem Heiligtum, das sowohl in der alten wie in der neuen Welt angedeutet ist. Ebenso steht ein Fuß noch am alten Ufer und der andere bereits am neuen Ufer, aber beide Füße stehen im Liebesbündnis mit unserer Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt. So kann der Mann Werkzeug der Liebe Gottes sein.

Das Liebesbündnis ist das Boot, das uns an das neue Ufer führt. So macht die Darstellung der Jahreslosung das Vergangene in das Zukünftige hinein erfahrbar, der Vorgang, der sich in Kirche und Welt abspielt, der auch uns berührt, und wir sind mitten hineingestellt in diesen Umbruch der Zeit.

Die Farbe rot, das Symbol für die Liebe Gottes, geht von oben aus und durch das Liebesbündnis mit der MTA wieder nach oben.

Eine Bewegung im Zickzack bietet unterschiedliche Berührungspunkte und Distanzen, wie auch der einzelne Mann nicht gleichermaßen von allen Zeitumbrüchen erfasst wird. Fast jeder von uns erlebt den Zeitenumbruch anders.
Die auf jeden Bruch folgende Gradlinigkeit könnte darauf hinweisen, dass wir die einzelnen Probleme angehen ohne jegliche Vorbehalte.

Könnte mich oder uns das Jahreslosungssymbol anregen, jeden Tag einmal die Arme nach oben auszustrecken, mit dem Blick auf unser MTA-Bild, zum äußeren Zeichen: Ich oder wir sind bereit den Willen Gott-Vaters zu erkennen und ganzheitlich ja dazu zu sagen, wie Maria in der Verkündigungsstunde (Lk 1,38)?

Wir sind eingeladen, uns diesem Umbruch der Zeit für eine erneuerte familienhafte Kirche und Welt von Schönstatt, von unserem Taborheiligtum aus als Werkzeuge der Liebe Gottes zu stellen und ihn mitzugestalten.

Was bringen wir positives ein aus der Vergangenheit und wo packen wir an, was uns die Zukunft bringen soll?

So könnten die offenen Arme Zeichen sein für unsere Offenheit nach oben durch unsere Taborkönigin zum Dreifaltigen Gott und zugleich für unser Aufgeschlossensein gegenüber diesem Umbruch der Zeit – wie es auf dem Grundstein des Taborheiligtums steht: „Puer et Pater“ (Kind und Vater).