Der Text: „Vaterspuren wollen wir folgen“ stellt die Jahreslosung unserer deutschen Schönstatt-Männerliga 2006/2007 vor.
Das Vorbereitungsteam zur Führertagung 2006 wollte die Spurensuche fortführen und die Rolle des Vaters in der heutigen Zeit aufgreifen. Wie bewähre ich mich als Vater und wie führe ich als Vater die mir Anvertrauten in den vier Bereichen: Familie, Beruf, Gesellschaft und Kirche.

Der Hintergrund im Jahreslosungssymbol zeigt vier geöffnete Türen. Jeder Türspalt könnte mir helfen, die Spur Gottes zu entdecken, mich damit auseinanderzusetzen und dazu anzuregen, diese Vaterspur zu bejahen und ihr zu folgen.
Wir erlebten das Aktienfieber, bei dem viele Menschen schnell reich, viele aber auch ärmer wurden.
Hat die Arbeitslosigkeit auch mich getroffen?
In der Kirche erleben wir die Zusammenlegung von Pfarreien, weil weniger Priester oder geringere Geldmittel vorhanden sind.
Hat das etwas mit Gott zu tun?
Was will ER uns (mir) mitteilen, wozu will ER uns (mich) einladen?
(Vgl. „Führerbrief 1/2006“)
Der 2. Türspalt: Seelenstimmen
Als
Mensch habe ich Stärken und Schwächen. Das erlebe ich auch bei den Menschen
meiner Umgebung.
Je älter wir werden, erfahren wir manchen gesundheitlichen Mangel.
Will unser himmlischer Vater mir damit etwas mitteilen, und welche Antwort gebe
ich?
(Vgl. „Führerbrief 2/2006“)
Der 3. Türspalt: Seinsstimmen
Es
gilt die Seinsstruktur der Dinge zu erkennen.
Der Bauer weiß, in welchem Monat er zu säen und zu ernten hat.
Als erwachsener Mann weiß ich, wie ich mich als Bub entfalten wollte. Das kann
mir helfen, als Vater selbstlos dem originellen Sein meines Sohnes oder meiner
Tochter zu dienen und deren eigene Entfaltung zuzulassen.
Das gute Beispiel des Vaters, des Großvaters, der nach den 10 Geboten Gottes
lebt, hat eine Vorbildfunktion.
Viele Dinge und Ereignisse auf der Erde, seien es Blumen, bestimmte Ereignisse, bestimmte Menschen, üben Reizfunktionen auf mich aus, können Freude in mir auslösen aber auch enttäuschen und verbittern oder reifen lassen durch eine Weiterleitung als Beitrag zum Gnadenkapital für unser Taborheiligtum.
(Vgl. „Führerbrief 3/2006“)
Der 4. Türspalt: Die rechtmäßige Autorität
In einer Familie halten Vater und Mutter zusammen und sind für die Kinder die rechtmäßige Autorität. Dabei ist eine gemeinsame Absprache aller Erziehungsmethoden notwendig, vor allem, wenn die Kinder selbständiger werden.
Das gilt in einer Firma auch für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das Ziel eines Unternehmers sollte sein, eine väterliche Autorität für seine Mitarbeiter zu werden.
Das gilt auch für einen Pfarrer in seiner Gemeinde.
Es war ein Anliegen Pater Kentenichs, dass die Schönstattbewegung sich einsetzt, dass ein Bischof Vater seiner Diözese wird.
Zum Papst sagen wir oft „Heiliger Vater“. Wurde Papst Johannes Paul II. doch für viele Jugendliche ein „Vater“.
Vater und Mutter werden sich Mühe geben, dem Kind und Heranwachsenden zuzuhören und herauszuhören, was Gott ihnen durch ihr Kind sagen will.
Für uns als Erwachsene gilt es, ehrfürchtigen Freimut zu üben bei der zuständigen Autorität, wenn wir anderer Überzeugung sind, aber ohne die Autorität zu verletzen. Gott kann mir durch einen Untergebenen etwas mitteilen, aber auch durch eine Autorität.
In
Schönstatt ist vieles durch seinen Gründer Pater Kentenich entstanden. Aber
Schönstatt wäre nie das geworden, wenn die Personen seiner Gefolgschaft sich
nicht freimütig und voll eingebracht hätten. Pater Kentenich hörte heraus, was
Gott ihm dadurch mitteilen wollte.
Für viele Schönstätter wurde Pater Kentenich ein Transparent des himmlischen
Vaters und sie fanden durch ihn einen lebendigen Kontakt zur Gottesmutter und
zur Dreifaltigkeit.
(Vgl. den kommenden „Führerbrief 4/2006“)

II. Schauen wir auf das Vatersymbol unseres Taborheiligtums
Das Vatersymbol lädt uns ein, sich als Väter einzubringen:
In der Familie: Kann ich - zurückblickend auf die Familie, in der mir Leben geschenkt wurde und ich heranwachsen durfte, Spuren Gottes entdecken?
Durfte ich in der Familie, die ich mit meiner Frau gegründet habe, für meine Kinder als Transparent des himmlischen Vaters erfahren werden?
Im Beruf: Kann ich auch hier Spuren Gottes entdecken? Es dürfte nicht so
ganz leicht sein.
Durfte ich für meine Arbeitskollegen ein lebendiger Hinweis werden, eine Brücke
zur Übernatur?
Durfte ich für meine Untergebenen ein Vater werden?
In der Gesellschaft: Als Männer sind wir oft in einem Verein. Hinterließen wir dort durch unser Vatersein eine Vaterspur Gottes?
In der Kirche: Es gibt priesterliche Väter in unserer katholischen Kirche. Aber Priester haben auch erbsündliche und vererbte Schwächen. Konnte ich einem Priester zu mehr Vatersein verhelfen, sodass er mehr als Transparent Gottes erlebt wurde?
Haben wir den Mut, in einem Punkt als Vater voranzugehen. Das darf ich auch noch im hohen Alter anfangen. Es ist nie zu spät.
III. Erklärung des Bildes im 1. Türspalt
Ohne mein Zutun hat Herr Rothgerber dieses Bild in den ersten Türspalt hineingestellt.
Beim Familiennachmittag der Oktoberwoche 2002 in Schönstatt erzählte das Ehepaar
Fenelon, wie sie als Kinder im Alter von sieben und acht Jahren Pater Kentenich
im Exil in Milwaukee erlebt haben u. a.:
Ihre Eltern besuchten die Montagabend-Vorträge, die Pater Kentenich für Ehepaare
hielt. Eine Zeugin erzählte dem Ehepaar, dass sie in Milwaukee an dem Tag dabei
war, als die Schönstattfamilie Pater Kentenich zu dem Grundstück
begleitete, das zum Kauf für das neue internationale Heiligtum und
Schönstattzentrum vorgesehen war. „Damals wurde das Bild von mir aufgenommen,
wie ich an der Hand Herrn Paters dahin ging. Die Schwester vermittelte uns dann
einige Einblicke in diesem Augenblick.“
Herr Fenelon: „Ich kann mich gut an diesen Tag erinnern, als wir mit vielen anderen Leuten zusammen waren und mit Herrn Pater über das Feld gingen. Aber ich habe nur sehr wenig Erinnerung an jenen besonderen „Gang mit Herrn Pater“, und ich wusste nie wirklich, wie es dazu kam, dass ich an jenem Tag Herrn Paters Hand ergriff. Was die Schwester uns erzählte, war, dass der Boden des Grundstücks, über den Herr Pater ging, ziemlich uneben war, und, um sich zu stützen, wollte Herr Pater als Hilfe nach jemandem die Hand ausstrecken. Viele verschiedene Leute waren um ihn herum und gingen zusammen über das Feld, Erwachsene und Kinder. Herr Pater wollte nicht die Hand eines Erwachsenen ergreifen, deshalb griff er nach meiner Hand als Unterstützung, so dass ich helfen und ihn stützen konnte.“
Könnte das Bild mich anregen, Pater Kentenich um seine Hilfe zu bitten, dass er Vorbild sein möge für mein Vatersein und mir etwas von seinem gelebten Vorsehungsglauben vermittelt?
IV. 40 Jahre Neugründung der Männergemeinschaften
Vor
40 Jahren hat Pater Kentenich vor etwa 60 Männern über die Neugründung der
Männergemeinschaften Schönstatts gesprochen.
[Eine CD und einen Begleittext über
den Vortrag Pater Kentenichs können Sie
über unser Sekretariat bekommen.]
Den Kommentar von Pater Puthen über die Neugründung finden Sie im Buch: „Neue Väter – Neue Welt“. Sie finden darin gute Anregungen für Ihr Vatersein.
G. M. Basler