„Männer in Bewegung“ –
zwischen Tradition, Klischees und Realität
Männerforum November 2009
DEUTSCHLAND,
Gero M. Meyer. „Bist du morgen auch beim Männerforum?" Die Frage meines
Freundes traf mich überraschend. Morgen wäre das schon, in Vallendar, genauer:
in Schönstatt, es ginge um ein Treffen von Männern, die mitten im Leben stehen
und sich über ihr Mannsein austauschen wollen. Keine akademische Veranstaltung,
keine geistliche Übung, kein Stammtisch - aber von allem etwas. Und als
Leitfaden für das Treffen Auszüge eines Forschungsberichts des
Bundesfamilienministeriums: "Männer in Bewegung."
Am
nächsten Morgen treffe ich einen Freund beim Bäcker: „Du, Bernd, ich bin gleich
beim 4. Vallendarer Männerforum (den Titel fand ich aus werbetechnischer Sicht
geeignet), es geht inhaltlich um ....". Bernd: „Aha! Klingt ja interessant. Fahr
mal hin und dann erzählst du, wie es war."
Ich komme ins Haus Tabor, einen in jeder Hinsicht geeigneten Treffpunkt und treffe beim Stehkaffee auf 17 Männer, die dann kurz ihre Biografie und ihr Interesse an diesem Treffen darstellen. Mich überrascht angenehm, dass da Männer bei einander sind, die mitten im Leben stehen und sich den Herausforderungen ihres Alltages stellen. Dieser Tag ließ sich als ein ziemlich uferloses Unternehmen angehen - wäre da nicht die fachkundige Gesprächsbegleitung durch den Schönstattpater Prof. Dr. Joachim Schmiedl gewesen, der den Austausch geschickt mit Erläuterungen zum erwähnten Forschungsbericht, Impulsen und Zwischenbilanzen begleitet hätte.
Zu
den aktuellen Schwierigkeiten der deutschen Männer, ihr Selbstverständnis zu
formulieren und zu den gesellschaftlichen Herausforderungen an ´den Mann`, gibt
es natürlich eine Reihe von Studien mit unterschiedlicher Aussagekraft. Das
Männerforum jedenfalls hielt eine Reihe von Gesprächsimpulsen für wert,
eingehender hinterfragt zu werden:
Die
von P. Schmiedl angeführten Männerstudien weisen interessanterweise so manches
Klischee nach, wie z.B. dieses: Männer sind intelligent, Frauen haben Gefühle.
Die Wirklichkeit - beispielsweise bei der Verteilung der Schulabschlüsse auf
die Geschlechter - sieht indes anders aus. Und dazwischen: ich, der Mann 2009.
Traditionen, die hinter den Klischees hervorschauen, zu verändern sei der Mann der Gegenwart und Zukunft aufgefordert, war durchgängige Ansicht der Teilnehmer. Überzeugt christlich lebende Männer im Forum waren der Ansicht, in dieser Herausforderung stecke eher eine Chance als ein Risiko. Eine Frage steht hier bezeichnend für die Grundstimmung des Austauschs: Besteht infolgedessen meine originelle Berufung darin, dass ich über verändertes Konsum-, Konflikt- und Kommunikationsverhalten meine männlichen ´Marktanteile` ausweiten kann? Die Spannung zwischen Wählbarkeit des Lebensstils und Stabilität in Beziehungen, zwischen Ablehnung persönlicher Prinzipien und Sehnsucht nach Orientierung müsse täglich ausgehalten werden. Nur dann - und genau hierdurch - habe ein postmoderner männlicher, spirituell geprägter Lebensstil eine Chance.
Für
die Teilnehmer stellen Umfang und Geschwindigkeit der Veränderung ihres
männlichen Selbstbildes generationenübergreifend etwas Faszinierendes dar. Das
sich neu bestimmen Können und Müssen als Mann mit Halt und Hilfsbedürftigkeit
wollen die Teilnehmer weiter und bewusster erleben.
Durchgängig wurde der Wunsch formuliert, Freunde mitzunehmen auf diesen Weg des Austauschs und Suchens. Ich nehme das angenehme Erlebnis mit, mit meinen Erfahrungen in einen bereichernden Austausch hinein genommen worden zu sein. Ich habe mich bewegt, wurde bewegt und bin bewegt. Es ist die Einladung an alle selbst-bewussten Männer zum nächsten Männerforum im Haus Tabor in Schönstatt.
Quelle: schoenstatt.de
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